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Briefe aus Südamerika (Auszug)              

 

7. März 2010 von Franziska Ehrhardt

 

Auch wenn das furchtbare Erdbeben in der Zentralregion von Chile momentan einfach alles überschattet, will ich Euch von meinen Erlebnissen am Ende der Welt erzählen. Es ist ein wunderschönes, mystisches Fleckchen Erde, das es zu entdecken lohnt. In einer etwa zehnstündigen Busfahrt von Punta Arenas in Chile nach Ushuaia, der südlichsten Stadt Argentiniens, überqueren wir zunächst die Magellanstrasse an ihrem östlichsten Punkt, dort, wo sie direkt auf den Atlantischen Ozean trifft. Schwarz-weiße Delphine begleiten uns ein Stück auf der 20 minütigen Fährüberfahrt, an dessen Ende uns Tierra del Fuego…Feuerland erwartet. Von den rauchenden Feuern der Ureinwohner, die dieser Region zu ihrem Namen verholfen haben, sehen wir jedoch nichts. Stattdessen fahren wir eine schier unendliche Sandpiste bis zur chilenisch-argentinischen Grenze entlang. Ab dem Grenzübergang grasen auf den endlos weiten, flachen Feldern nicht mehr Schafe, sondern Rinder und Pferde. Wir folgen eine ganze Weile der Küstenstraße am Atlantischen Ozean, um dann tiefer ins Landesinnere zu entschwinden. Aber egal wo wir uns befinden, das Land ist derart flach, so flach ist nicht einmal Mecklenburg-Vorpommern. Man könnte eine Wasserwaage auf den Boden legen, die bis zum Horizont reicht und würde keine noch so kleine Krümmung wahrnehmen.

 

Vielleicht anderthalb Stunden vor Ushuaia ändert sich die Landschaft abrupt. Hohe schneebedeckte Berge und tiefe Schluchten lösen die Ebene ab. Teils serpentinartig umfahren wir einen großzügig geschwungenen See, den Lago Fagnano. Die Wolken hängen tief, als der Blick auf den Beagle Canal und schließlich das vor einer gigantischen Bergkulisse liegende Ushuaia fällt. Ich glaube es kaum, aber ich habe tatsächlich meine südlichste Station dieser Reise erreicht. Eine wohlige Gänsehaut macht sich auf meinen Körper breit.

 

Im Hostel erwartet mich ein Vierbettzimmer, in dem Jungs und Mädels gemischt untergebracht sind. Aber zunächst bleiben wir doch nur ein harmonischer Weiberhaufen. Mit Magda aus Polen schließe ich sofort Freundschaft. Wieder eine verwandte Seele, die plötzlich in mein Leben tritt und mit der mich in Kürze ein derart vertrautes Gefühl verbindet, als seien wir gute alte Freunde. Am Abend haben wir dann den ersten Herrenbesuch. Björn vom Fischland/Darß! Die Welt ist ein Dorf und die schöne Heimat stets allgegenwärtig. Bei einem Gläschen köstlichen argentinischen Rotwein und einer guten Unterhaltung merken wir drei schnell, dass die Chemie stimmt.

 

Am Morgen unternehmen wir einen Tagesausflug in den 20 Minuten entfernten Tierra del Fuego National Park. Der Minibus setzt uns an einer Weggabelung im Wald ab und wir folgen dem Verlauf der Straße den Berg hinab zum Beagle Canal. Wilde Pferde kommen uns entgegen, ergreifen jedoch die Flucht, als hinter uns ein Reisebus auftaucht. Dann ist es wieder still. Nur das sanfte Wiegen der Bäume im Wind und vereinzelte Vogelstimmen durchbrechen die idyllische Ruhe des Waldes. Die Umgebung zieht uns sofort in den Bann. Schneebedeckte Bergspitzen strecken sich überall zum Himmel. Bis zu einer bestimmten Höhe sind die Berge üppig mit Bäumen bewachsen. Oberhalb dieser Kante kann eine unsichtbare Linie entlang der Bergkette gezogen werden. Ab diesem Punkt ist die Vegetation karg oder gar nicht mehr vorhanden und das Grün abgelöst von riesigen Schneeteppichen. Der tiefblaue Beagle Canal zu unseren Füßen beherbergt kleine Inseln, die in der Morgensonne hellgrün erleuchtet sind. Als wir das Wasser erreichen, atmen wir herrlich frische Meeresluft ein. Wir nehmen nur die Natur war und blenden die Leute, die gerade mit dem Bus angereist sind, vollständig aus. Das Strahlen in unserem Gesicht bleibt für den Rest des Tages. Das Ende der Welt ist einfach nur wunderschön und ganz anders als man es dem Namen nach vielleicht erwartet. Am Ufer sehen wir eine kleine Blockhütte. Hier bekommen wir den begehrten Stempel mit dem Schriftzug „Tierra del Fuego“ in unseren Reisepass. Wir haben offiziell das Ende der Welt betreten.

 

Die mehrstündige Wanderung führt uns an der Küstenlinie entlang durch ein üppig, dicht bewachsenes Waldgebiet. Diese farbenfrohe Landschaft beschert uns unvergessliche Momente. An den Bäumen hängen Flechten wie lumpige Stofffetzen herab, die von der letzten wilden Partynacht übrig geblieben sind. Saftig grüne Moosbetten zieren den Waldboden, der an manchen Stellen mit roten, fruchtigen Beeren übersät ist. Weit verzweigte Baumwurzeln versperren uns ein ums andere Mal den Weg. Während es steiler den Berg hinaufgeht, genießen wir den uns begleitenden Blick aufs Wasser. Eine ganze Weile scheinen wir die einzigen Menschen auf der Welt zu sein. Ein Gefühl, das wir genießen.

 

Der Pfad führt uns wieder näher an das Ufer des Beagle Canals. Das Sonnenlicht lässt die Felsen hellblau schimmern. An einer besonders schönen Stelle an der Bahia Lapataria legen wir eine Rast ein. Von hier können wir eine kleine Insel mit Möwen und Kormoranen ausmachen. Während wir unser Essen verzehren, gesellt sich ein falkenähnlicher Vogel, dessen Namen ich leider nicht kenne, zu uns. Er spaziert mal gemütlich über das Grün oder bleibt stehen und beobachtet seine Umwelt. Vielleicht beobachtet er aber auch nur uns, so wie wir ihn.

 

Tiefer im Inneren des Waldes stoßen wir auf weitere Vögel. Ein leuchtend roter Punkt, der sich vom Grün des Waldes besonders abhebt, bewegt sich im fernen Gras. Wir gehen durch das Gestrüpp und verlassen mit langsamen, bedachten Schritten unseren Wanderpfad. Das Holz knackt unter unseren Füßen bei jedem Schritt, den wir tun. Der rote Punkt hüpft auf einen umgefallenen Baumstamm und beginnt diesen zu bearbeiten. Allmählich können wir erkennen, dass es sich um einen Vogel handelt. Gute Sicht haben wir, als der rote Punkt einen Baum hinauf hastet und anfängt, diesen mit lauten Klopfgeräuschen zu bearbeiten. Das Pochen übertönt alle anderen Laute des Waldes. Wir haben einen Waldsprecht entdeckt. Und tatsächlich ist das Gefieder an seinem Kopf bis zum Halsansatz ausnahmslos knallrot. Nur ein kleines weißes Muster auf seinem Rücken unterbricht den ansonsten pechschwarzen Körper.

 

Am Abend begießen wir bei einem Abstecher in die Barlandschaft Ushuaias Magdas letzte Nacht am Ende der Welt. Im Pub namens „Dublin“ wird über Gott und die Welt geplaudert und vor allem viel gelacht. Wir wollen Magda gar nicht gehen lassen. Aber sie muss dem Ruf des Perito Moreno folgen, einem Gletscher im argentinischen El Calafate. Dafür haben wir als Reiselustige Verständnis, sind aber traurig, unsere liebe Gefährtin zu verlieren. Noch in der gleichen Nacht zieht Ian bei uns ein. Ein sympathischer US-Amerikaner aus Kalifornien, der ab dem nächsten Tag ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Dreigespanns ist.

 

Auch in Ushuaia haben Deutsche ihre Spuren hinterlassen. So gibt es beispielsweise viele Cafés, die den Namen „Tante“ tragen. Wir kehren auf einen Kaffee bei „Tante Sara“ ein. An der nächsten Ecke wartet „Tante Nina“ auf Gäste. Und so geht es munter weiter. Im Hafen stehen zahlreiche Truck-Ladungen von Hamburg-Süd. Ich könnte die Aufzählung noch eine Weile fortsetzen… Ushuaia scheint hauptsächlich vom Tourismus zu leben. Ich habe zumindest noch nie soviele Souvenirshops dicht an dicht nebeneinander gesehen. Da sich die Stadt über einen Hügel erstreckt, sind die Straßen zum Teil sehr steil. Die Autofahrer sind im Gegensatz zu denen in Chile eher ruppig und rüde. Will man in Chile eine Straße ohne Ampel überqueren, hält jedes Auto nahezu ausnahmslos an, selbst wenn man den Bürgersteig noch nicht verlassen hat. Sieht ein argentinischer Autofahrer einen Fußgänger gibt er erstmal ordentlich Gas. Die Stadt beherbergt insbesondere im Zentrum viele farbenfrohe Holzhäuser. Vor der dahinterliegenden Bergkulisse bleiben wir aufgrund der Kontraste immer wieder sprachlos stehen. Der Anblick ist einfach nur schön. Im Hafen liegen Yachten, Boote und täglich ein neues riesiges Kreuzfahrtschiff auf dem Weg in die Antarktis.

 

Zusammen mit „meinen beiden Männern“ steige ich einmal mehr auf ein Boot. Diesmal ist es ein motorisierter Katamaran mit einer großzügigen Passagierkabine und einem Außendeck, auf dem wir uns den Wind um die Ohren peitschen lassen. Das Wetter ist alles andere als schön, aber das spielt keine Rolle. Sechs Stunden sollen wir auf dem Beagle Canal, der langen Meerestrasse, die den Pazifischen und den Atlantischen Ozean miteinander verbindet, unterwegs sein. Unterwegs auf den Spuren der berühmten Weltumsegler haben wir im Vergleich zu denen nur kleine Ziele vor Augen und steuern Inseln mit Kormoranen, Seelöwen und Pinguinen an. Wir sehen sie alle. Das Schiff fährt jedesmal dicht an die Inseln oder aus dem Wasser herausragenden Felsgruppen heran. Wie an einer Kette aufgefädelte Perlen stehen die schwarz-weiß gefiederten Kormorane auf dem Felsrücken, schwingen hin und wieder ihre Flügel oder erheben sich vor unseren Augen in die Lüfte.

 

Besonders lustig wird es beim nächsten Felsen. Mehrere fette Seelöwen liegen wie schwabbelige Fleischkopse teils dicht nebeneinander, aber meistens quer übereinander, so dass kaum erkennbar ist, welcher Körperteil zu wem gehört. Hin und wieder hebt einer gelangweilt den Kopf, brüllt zähnefletschend lauthals irgendetwas heraus und vergräbt den Kopf alsbald wieder in einer großen Masse von Seelöwenfell. Eine kecke Möwe nimmt derweil auf einem Seelöwen Platz. Der mag das gar nicht und herrscht sie ebenso lautstark an wie sein Kumpel zuvor in den Wind geheult hat. Im Nu vergessen die anderen Seelöwen für einen Moment ihre Müdigkeit. Sie recken schwerfällig die Köpfe in seine Richtung als wollten sie sich über den plötzlichen Lärm beschweren.

 

Während wir uns auf den Weg zu einer Pinguininsel begeben, wiegt uns das Schiff in einen erholsamen Halbschlaf. Björn sackt für eine Weile vollständig auf seinem Platz zusammen und entschwebt in eine Traumwelt. Ian und ich, immer zu einem Scherz aufgelegt, nutzen die Gunst der Stunde. Ian hat einen Stoffpinguin dabei und der wird nun an allen nur denkbar möglichen Stellen zaghaft auf Björns Körper positioniert. Stets darauf bedacht, den Schlafenden nicht zu wecken. Dann beginnt ein endloses Fotoshooting. Natürlich mit Björns Kamera. Wir müssen derart herzhaft lachen, dass unsere Bäuche schmerzen und sich die anderen Passagiere zu uns umdrehen. Was für ein Gaudi. Wir stellen uns schon jetzt Björns Gesicht vor, wenn er sich am Abend seine Fotos auf dem Laptop anschauen wird. Und wir wissen, es wird ihm gefallen.

 

Als wir die Pinguininsel erreichen, stellt sich mir ein anderes Bild dar, als auf der Isla Magdalena in der Magellanstrasse. Dieses Mal ist die Insel grün und nur in Wassernähe ist die typische sandige Uferlandschaft zu finden. Die Frackträger befinden sich überall, recken ihre Köpfe oder stehen teilnahmslos in der Gegend herum. Einige spielen mit den Wellen in Ufernähe und rasen flink durchs Wasser. Von unserer erhöhten Position auf dem Boot können wir das Treiben wunderbar beobachten. Es ist unglaublich, mit welcher Geschwindigkeit die Pinguine unterwegs sind. An Delphine erinnernd springen sie plötzlich elegant ein Stück aus dem Wasser und verschwinden wieder in Windeseile im klaren Nass. Die putzigen Tierchen beobachten neugierig, wie wir der Insel langsam näher und schließlich dicht vor ihr zum Stehen kommen. Aber auf der Insel befinden sich nicht nur Magellanpinguine. Hier gibt es auch Papúa-Pinguine. Während die Magellanpinguine schwarz-weiß sind, zeichnen sich die Papúa-Pinguine durch rote Schnäbel und orangefarbene Füße aus. Sie scheinen auch etwas größer und kräftiger zu sein. Ein besonders lustiges Papúa-Duo zieht unsere Aufmerksamkeit auf sich. Die beiden stehen sich stumm gegenüber und starren sich einfach nur an. Keine noch so minimale Bewegung ist ihren Körpern zu entlocken. Es ist als würden sie schweigend einen Disput austragen. Es gewinnt derjenige, der nicht einmal mit der Wimper zuckt und mehrere Stunden, vielleicht sogar Tage, bewegungslos stehen bleibt. Wir müssen lachen, da uns die merkwürdigsten Kommentare zu dieser komischen Situation einfallen.

 

In der Abenddämmerung laufen wir wieder im Hafen von Ushuaia ein. Die Lichter der Stadt sind bereits angezündet, aber dennoch können wir die schöne Bergkulisse, die sich hinter Ushuaia erhebt, erkennen. Den Marcial Gletscher, die vielen mit einem Zuckerguss bedeckten Bergwände und die schneebedeckten Gipfel.

 

Das Hostel in Ushuaia ist ein liebevoll eingerichteter und von angenehmen Menschen geführter Ort. Sobald wir die Türschwelle übertreten, fühlen wir uns zu Hause. Eine angenehme Wärme strömt uns von dem Ofen am Eingang entgegen. Die urige Einrichtung mit Holzvertäfelung, alten Sesseln und vielen Bildern vom schönen Ushuaia an den Wänden sorgen für noch mehr Gemütlichkeit. An den Abenden kochen wir gemeinsam. Jeder steuert Zutaten bei, aus denen wir eine köstliche Mahlzeit zaubern. Aus dem Laptop dröhnt fetzige Musik, während sich in der Küche ein angenehmer Essensduft ausbreitet. Immer wieder kommen neue Leute in die Küche, die das Herzstück des Hostels ist. Auf diese Weise lernen wir auch zwei Motorradfahrer kennen, der eine von der Westküste aus den USA, der gerade die Panamerikana bis nach Ushuaia auf seinem Motorrad durchquert hat, und einen Deutschen, der gerade seinen Traum lebt…eine Reise um die Welt auf dem geliebten Motorrad. Es ist spannend, ihren Erlebnissen zu lauschen. Gemeinsam verbringen wir einen feuchtfröhlichen Abend in unserer Stammkneipe „Dublin“. Hier ist immer gute Stimmung, aber diesmal rocken wir das Haus. Bis in den Morgen wird gefeiert, gelacht und viel zu viel getrunken. Der Kater am nächsten Tag lässt nicht lange auf sich warten. Wir treffen uns alle um die Mittagszeit mit halb zugekniffenen Augen. Björn fragt in die Runde, was denn gestern eigentlich alles passiert sei, er habe große Lücken was die Nacht anbelangt. Wir müssen lachen und kommen selber ins Grübeln. Björn greift nach seiner Kamera und entdeckt beinahe hundert Fotos, die im Laufe des Abends aufgenommen wurden. Unter schallendem Gelächter schließen sich die Lücken. Die Fotos zeigen alles und jeden. Sie lassen keine Fragen offen.

 

Der Abschied von Ushuaia fällt schwer. In der Kürze der Zeit haben wir dieses schöne Fleckchen Erde besonders lieb gewonnen. Von Ian und Björn muss ich mich noch nicht verabschieden, da wir vorerst mit Punta Arenas zufällig das gleiche Ziel haben.

 

Dann steht die wohl längste Busreise meines gesamten Südamerika-Aufenthaltes bevor. 34 Stunden von Punta Arenas nach Pucon. Die Anden verhindern, dass wir durch Chile nach Norden fahren. Stattdessen geht es durch Argentinien. Etwa auf Höhe der argentinischen Stadt Bariloche überqueren wir wieder die Grenze nach Chile. Die Fahrt ist zwar lang, aber vergeht doch unerwartet schnell. Da der Bus nicht voll besetzt ist, kann jeder bequem zwei Sitze in Anspruch nehmen.

 

Am Abend erreiche ich Pucon, einen kleinen Ort nördlich von Patagonien am Lago Villarrica und dem gleichnamigen Vulkan. Pucon ist ein beliebter Erholungs- und Freizeitort sowohl für Einheimische als auch für Touristen. Gerade einmal 14.000 Seelen leben hier. Auch ich habe vor, den Vulkan zu besteigen und einen Ausflug in den naheliegenden Nationalpark zu unternehmen. Doch wieder einmal kommt alles anders, nur diesmal leider auf ganz schreckliche Art und Weise. Ich bin extrem müde von der langen Bustour und falle im Hostel in einen tiefen Schlaf. Das Dreibettzimmer habe ich für mich alleine. Die Hauptsaison klingt langsam aus. In der Nacht werde ich leicht aus meinem Schlaf gerissen. Das Haus wackelt stark, als würde es mit mir im Bus sitzen und über die teils sehr schlechten Straßen von Argentinien brettern. Es hört nicht auf zu rütteln und zu schütteln und undefinierbare Geräusche kommen hinzu. Bevor ich einen klaren Gedanken fassen kann, ist alles vorbei. Noch immer im Halbschlaf denke ich nicht weiter darüber nach. Irgendwann später erlebe ich eine ähnliche Situation, nur etwas abgeschwächter, aber auch das kann ich nicht einordnen. Am Morgen wache ich kurz vor zehn auf. Der Blick aus dem Fenster lässt mein Herz zunächst hüpfen. Ich bin wieder zurück bei 30 Grad, Sonnenschein pur und klarem, wolkenlosem blauem Himmel. Im Hostel ist es sehr ruhig als ich zum Frühstück gehe. Der Strom ist ausgefallen und auch das Internet funktioniert nicht. Aber ich empfinde das nicht als schlimm oder ungewöhnlich, denn in Ushuaia gab es auch Stromausfall und Kommunikationsprobleme.

 

Als ich das Hostel verlasse, traue ich meinen Augen nicht. Der Blick ist frei auf den Vulkan Villarrica. Aus dem schneebedeckten Kegel entschwinden weiße Rauchwolken in die klare Luft. Ich bleibe für einige Minuten wie angewurzelt stehen. Später gehe ich durch die Straßen und bemerke unterschwellig, dass es vor dem geschlossenen Supermarkt, der längst hätte geöffnet sein müssen, lange Schlangen gibt, auch vor dem Callcenter und vor anderen Geschäften. Ich lasse mich davon aber nicht irritieren und gehe direkt zum Lago Villarrica, von dem aus ich einen noch besseren Blick auf den Vulkan genieße. Und plötzlich beginnen sich mehrere Puzzleteile nach und nach zusammen zu setzen. Irgendwann steht fest, es gab ein Erdbeben, aber niemand weiß, wie schlimm es war und welche Regionen erfasst wurden. Wir sind nahezu komplett vom Rest des Landes abgeschnitten. Die Kommunikation ist zusammengebrochen. Ich erfahre, dass der Stromausfall nicht notwendigerweise auf das Beben zurückzuführen ist, sondern auf Sofortmaßnahmen, die bei einem Erdbeben eingeleitet werden. Und eine davon ist, dass die Elektrizität abgeschaltet wird. Ich vernehme, dass das Beben auch in Santiago spürbar war und beginne mir plötzlich Sorgen zu machen. Es ist früher Nachmittag und langsam treffen Informationen in Pucon ein. Der Strom funktioniert vorübergehend wieder. Ich begebe mich zum Callcenter, um Freunde in Santiago anzurufen und im Internet mehr Informationen zu erhalten. Ich checke meine Mails und bin auf einmal wie vom Blitz getroffen. Mein Postfach ist voll von Sorgenmails aus der Heimat. Die Gewissheit ist da, dass Schlimmes passiert ist. Da jeder aufgrund des Andranges am Callcenter gebeten wird, nur wenige Minuten am PC zu verbringen, verschicke ich nur eine Mail, die alle Sorgen in Luft auflösen soll. Ein kurzer Anruf in Santiago gelingt, und bevor das Netz wieder zusammenbricht, habe ich Gewissheit, dass es meinen Freunden in der Hauptstadt gut geht. Im Laufe des Nachmittags und Abends erfahren wir aus dem Fernsehen von der Stärke und vom verheerenden Ausmaß des Erdbebens. Die Bilder sind erschütternd und sprechen für sich. Obwohl alles so nah ist, scheint es unendlich weit entfernt, denn in Pucon wird weiter gelacht und am Strand flaniert. Die Stadtverwaltung informiert alle paar Stunden über die aktuellen Entwicklungen und welche Folgen damit für einen Aufenthalt in Pucon verbunden sind. Ein Mitarbeiter der Verwaltung schreibt die Informationen auf Spanisch und Englisch auf eine große weiße Tafel, die für jeden sichtbar vor dem Hauptgebäude platziert ist. Es wird dringend geraten die Stadt nicht zu verlassen. Alle Straßen seien bis auf weiteres komplett gesperrt. Das gelte auch für das Betreten des Nationalparks und das Besteigen des Vulkans. Ausdrücklich wird zudem darauf hingewiesen, dass vom Vulkan momentan keine Gefahr ausgehe. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich diese Möglichkeit nicht einmal in Betracht gezogen.

 

Am Montag fahren erste Busse Richtung Santiago und ich versuche mein Glück am Dienstag. Keiner weiß, wie lange die Fahrt dauern wird. Nur eines ist gewiss, die Ruta 5, die Hauptverbindung zwischen Santiago und Patagonien, ist in der Erdbebenregion schwer beschädigt. Wie schwer sehe ich auf der 20 stündigen Fahrt für eine Strecke, für die man unter normalen Umständen vielleicht 9 Stunden bräuchte. Insbesondere um die Stadt Talca ist es schlimm. Es ist das eine, Bilder im Fernsehen oder Internet anzuschauen, und ein anderes mit eigenen Augen zu sehen, wie die Situation tatsächlich ist. Einige Streckenabschnitte der Autobahn existieren überhaupt nicht mehr. Es befinden sich tiefe Risse und Brüche in der Fahrbahn. Riesige Löcher sind in den Beton gefressen und offenbaren den Blick auf einen 15 Meter tiefer liegenden Fluss. Zwischendurch fehlen plötzlich 10 Meter Fahrbahn, da sie abgesackt oder zur Seite weggebrochen sind. Einige Brücken sind vollends zerstört und lassen keinen Autoverkehr mehr zu. Ich blicke auf umgefallene Busse und hoffe inständig, dass es den Menschen, die dort drin saßen, gut geht. In meinem Bus spielt sich eine für mich absurde Szenerie ab. Die meisten Reisenden sind Chilenen und nahezu jeder ist beinahe die ganze Zeit mit einem Fotoapparat bewaffnet. Ich komme mir zwischenzeitlich wie auf einer Safari in Südafrika vor. Jemand zeigt in irgendeine Richtung oder benennt diese, die Menschen stehen von ihren Sitzen auf und beugen sich aufgeregt dorthin. Manch einer steht die ganze Zeit. Bei dem häufigen Schneckentempo, das wir fahren, ist das auch nicht weiter gefährlich. Alles, was vom Erdbeben vernichtet oder betroffen ist, wird festgehalten. Jede eingefallene Mauer, jeder Bruch in der Straße, jede abgebrannte Fabrik… Für die letzten 200 km brauchen wir 5 ein halb Stunden.

 

In der Nacht um 3.30 Uhr komme ich endlich in meinem geliebten Santiago an. Ich verbringe einige Tage bei Freunden und kann mir nun selber ein Bild von den Auswirkungen machen. Ich bin etwas beruhigt als ich durch die Straßen gehe, weil vieles noch so ist wie ich es kenne. Aber auch in Santiago hat das Beben Spuren hinterlassen. In einigen wenigen Stadtteilen, den Barrios, sind Wohnhäuser zusammengefallen und besonders historische Gebäude haben unter dem „Terremoto“ gelitten. Die Stromversorgung ist in vielen Barrios zusammengebrochen und kommt erst langsam nach und nach wieder in Gang. Die Wasserversorgung ist schwierig, aber normalisiert sich allmählich. Der Hügel Cerro Santa Lucia, eine der großen Attraktionen der Stadt, ist vorerst auf unbestimmte Zeit geschlossen. Immer wieder kommt es zu Nachbeben, die wir mal mehr, mal weniger deutlich spüren. Sie sind längst sich so stark, wie das Ursprungsbeben und werden noch bestimmt zwei Monate anhalten. Das hat man uns zumindest mitgeteilt. Zwischenzeitlich erreicht mich die Nachricht, dass Pichilemu, das niedliche Fischer- und Surfdorf an der Paifikküste, dem ich im Januar einen Besuch abgestattet hatte, katastrophal von den Tsunamiwellen getroffen wurde. Ich bin erleichtert als höre, dass es zumindest José den Umständen entsprechend gut geht.

 

Eine Woche nach dem Beben gibt es in Santiago an mehreren öffentlichen Plätzen große Veranstaltungen. Chilenische Musikgruppen versuchen zu mobilisieren und Mut zuzusprechen. Die Stimmung ist bombastisch. Alles steht unter dem Motto „Chile ayuda a Chile“…“Chile hilft Chile“. Die Menschen bringen Lebensmittel, Decken und Kleidungsstücke zu Hauf zu den Veranstaltungen. Dort wird alles gesammelt und dann in die Krisenregionen gebracht. Auch Geldspenden sind willkommen. Die Menschen tanzen ausgelassen zu der erfrischenden chilenischen Musik. Zwischendurch gibt es Sprechchöre des Publikums „Viva Chile, viva Chile“. Hände werden in die Luft gerissen und im Takt der Parole geschwungen. Die Stimmung geht durch Mark und Bein. Sie drückt soviel Stolz und Zuversicht aus. Sie vermittelt das Gefühl, dass dieses Erdbeben etwas ganz normales ist. Die Bevölkerung rückt näher zusammen. Gemeinsam wird angepackt. Der Optimismus gewinnt zumindest an diesem Tag in Santiago die Oberhand.

 

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Indianerreservat Havasupai - Ein Tag im irdischen Paradies

 

Reisegeschichte von Franziska Ehrhardt

 

An einem sonnigen Tag im September brechen wir spontan zu einem mehrtägigen Ausflug in das Indianerreservat Havasupai auf. Wir, das sind Tom, Felix und ich, drei lebenslustige junge Menschen, die gemeinsam einen unvergesslichen Sommer in Arizona verbringen. In einer Schlucht des Grand Canyons liegt unser Ziel, ein einsamer Campingplatz nahe des Indianerdorfes Supai. Die Fahrt von Phoenix, der Hauptstadt des US-Bundesstaates Arizona, dauert mehr als fünf Stunden. Erst am späten Nachmittag nach der Arbeit können wir die Reise antreten. Bis zum Zeltplatz schaffen wir es an diesem Tag nicht. Und so übernachten wir an der legendären Route 66 in dem verschlafenen Ort Seligman. In einem typisch amerikanischen Highway Hotel direkt an der Straße teilen wir drei uns ein viel zu kleines Zimmer. Den Staub der Vergangenheit spüren wir in jedem Winkel des alten Hauses. In den Tapeten mit vergilbtem Blumenmuster, in den matt leuchtenden Lampen und den Holzstufen der Treppe, die bei jedem Schritt erschöpft knarren. Im Zimmer erwarten uns schwere, kitschige Bettüberzieher und dicke Vorhänge - ebenfalls mit Blumenmuster. Eine Motte flattert im Schirm der Nachttischlampe, während die Glühbirne ein altersschwaches, monotones Surren von sich gibt. Im Nachttisch schlummert die obligatorische Bibel. Es gibt sie in zwei Ausgaben, auf Englisch und Russisch. „Komm, lies mal ein Stück auf Russisch vor“, zwinkert Felix mir zu. Ich beginne, die kyrillischen Buchstaben aneinander zu reihen. Das Vorlesen geht flüssig, aber es hapert an der Aussprache. „Und nun das ganze auf Deutsch“, feixt Tom. Er runzelt die Stirn. „Warum gibt es hier überhaupt eine Bibel auf Russisch?“ Wir zucken mit den Schultern und versuchen, unsere eingerosteten Sprachkenntnisse mit neuem Leben zu füllen. In dieser Umgebung und aufgrund der fortgeschrittenen Tageszeit, will es uns nicht gelingen. Stattdessen fallen wir müde ins federweiche Bett.

 

Frühstück gibt es am nächsten Morgen im Diner nebenan. Dort spielt sich eine Szene ab, wie wir sie aus vielen amerikanischen Filmen kennen. Das Lokal ist uns sofort vertraut, obwohl wir es zum ersten Mal betreten. Hier wartet die schrille Kellnerin mit der halbleeren Kaffeekanne, die jedem Gast ein Dutzend Mal nachschenkt. Hier riecht es nach Eiern und Speck. Hier isst der Truckfahrer schon zum Frühstück einen Burger mit Pommes und der beleibte Teenager einen Pancake mit dickflüssigem Ahornsirup. Hier steht die Jukebox, die schon in dieser frühen Morgenstunde Willie Nelsons Countrysong „On the road again“ auflegt. Und wo das Auge hinreicht, sehen wir die mit rotem Kunstleder bezogenen Sitzecken. Dass wir uns an der Route 66 befinden, unterstreichen alte Hinweisschilder und verblichene Erinnerungsfotos an den Wänden. Allerdings spiegelt die legendäre Fernstraße in diesem schlummernden Örtchen nicht einmal ansatzweise das Flair und die Romantik wider, das viele Lieder der 60er Jahre besingen und Road-Movies aus dieser Zeit zelebrieren. Was ist mit der flowerpower Aura der vergangenen Jahre passiert? Ist sie durch den Bau der Interstate verloren gegangen, die sich nun parallel zur Route 66 erstreckt?

 

Wir vertiefen den Gedanken nicht weiter, denn Ungeduld macht sich breit. Der Grand Canyon ruft. Nach einstündiger Fahrt erreichen wir das Ende der Straße, den Hualapai Hilltop. Wir stellen das Mietauto für die nächsten Tage dort ab, denn der Weg zum Indianerreservat geht von hier nur per Maultier oder zu Fuß weiter. Seit Seligman fahren wir auf einem Plateau, das sich flach und eben in alle Himmelsrichtungen bis zum Horizont erstreckt. Von einem Canyon ahnen wir weit und breit nichts. Erst als wir das Auto verlassen, nehmen wir die steile Kante des Hualapai Hilltop wahr, die neben dem Parkplatz beginnt. Unmittelbar zu unseren Füßen erstreckt sich ein tiefer Abgrund, der in einem schier endlos weiten, kargen Tal endet. Wie ein gieriger Riss frisst sich die Schlucht durch die friedliche Landschaft. Unfassbar starren wir auf das gigantische Naturwunder vor uns.

 

Die Sonne brennt schon in diesen frühen Morgenstunden sehr intensiv. Der Himmel ist strahlend blau, wie für Arizona typisch, die Luft ungewöhnlich frisch. Eine angenehme Abwechslung zum stickigen und verstaubten Phoenix. Weit entfernt im Canyon und mit bloßem Auge kaum zu sehen, entdecken wir schwarze Punkte, die sich langsam vorwärts bewegen. Wir vermuten andere Wanderer. Dort also soll uns der 12 Kilometer lange Weg zum Zeltplatz entlang führen. Kleine Zweifel tun sich auf. Der Canyon ist deutlich größer als in unserer Vorstellung. Aber seien wir mal ehrlich, wer kann sich solche Dimensionen schon vorstellen? Wir scheuchen die Bedenken weg wie eine lästige Fliege. Was soll es. Wir sind jung und fit. Das Abenteuer kann beginnen.

 

Bekannte hatten uns geraten, viel Trinkwasser mitzunehmen und das Gepäck mit Zelt, Kleidung und Lebensmitteln gegen ein Entgelt von einem Maultier befördern zu lassen. Wir tun den letzten Vorschlag als unsinnig ab, was wir bald schwer zu spüren bekommen. Der vorgegebene Pfad schlängelt sich zunächst bergab auf engen Serpentinen. Wir müssen uns zwingen langsam zu gehen, um nicht ins Stolpern zu kommen. Es ist einfach zu steil. Die rötlich-braune Erde heftet sich an unsere Schuhe und legt sich auf sie wie ein zarter Staubfilm. Bei jedem Schritt knirscht es unter den Sohlen. Je weiter wir uns dem trockenen Tal nähern, umso gigantischer wirkt die Felsschlucht und umso kleiner kommen wir uns vor. Nach mehr als 20 Gehminuten haben wir das Tal erreicht. Das Gepäck scheint bereits jetzt doppelt so schwer, obwohl es gleichmäßig auf drei Rucksäcke verteilt ist. Unsere Beine lahmen. Dabei befinden wir uns erst am Anfang der Wanderung.

 

Unsere Augen tasten die Umgebung ab. Majestätisch ragen die Felswände in den Himmel und lassen uns winzig erscheinen wie Ameisen. Ein nie da gewesenes Glücksgefühl macht sich in jedem von uns breit. Wir stehen tatsächlich mitten im Grand Canyon, einem der imposantesten und größten Schluchten der Welt. „Ich kann nicht glauben, dass ich wirklich hier bin“, sagt Felix. „Ich auch nicht“, erwidere ich und bemerke die Gänsehaut auf meinem Körper. Tom legt uns die Arme auf die Schulter. Er sieht von einem zum anderen und seufzt zufrieden, „Leute, ist das schön“.Der Boden des Canyons ist übersät mit Kieselsteinen und feinem Sand. Alles ist knochentrocken, so dass unsere Schritte immer wieder kleine Staubwolken aufwirbeln. Mal geht es sich schwerer, mal leichter. Links und rechts ziehen sich die Felsen entlang wie eine überdimensionale Mauer. Inzwischen etwas flacher, aber immer noch gewaltig, erstrecken sie sich in rötlicher Farbe mit überwältigenden Formationen. Es sieht aus, als wären erfahrene Steinmetze am Werk gewesen. Die Felsen sind teils abgerundet oder mit Mustern bedeckt, geschaffen durch die Witterung über einen endlos langen Zeitraum. Beeindruckt und überrascht registriere ich, wie sich zunehmend aus den Felswänden Pflanzen, Sträucher und kleine Bäume den Weg bahnen. Das Grün nimmt Schritt für Schritt zu. Die Aussage „Die Natur findet einen Weg.“ bestätigt sich einmal mehr.

 

Stundenlang sind wir drei die Einzigen auf dem Weg zum Indianerdorf Supai. Keine Menschenseele, kein Straßenlärm, keine Probleme, nur reine, frische Natur und diese idyllische Stille. Es ist als atmen wir zum ersten Mal in unserem Leben. Es ist als offenbart uns die Welt zum ersten Mal ihre tatsächliche Schönheit. Vielleicht ist es aber auch das erste Mal, dass wir die Augen weit öffnen. Wie häufig laufen wir blind durch den Alltag und lassen unsere Umgebung nicht an uns herankommen. Wie häufig verschließen wir uns der Schönheit und Klarheit, die uns umgibt, auch an ganz normalen Tagen. Wie häufig lassen uns Stress und Hektik blind werden für Eindrücke und Situationen. Momente verstreichen unbemerkt und kehren nie wieder zurück. Hier in der Natur streifen wir unbewusst unser altes Leben wie eine überflüssige zweite Haut ab. Unsere durch das Stadtleben verkümmerten Sinne und Instinkte scheinen sich neu zu schärfen.

 

Nach weiteren zwei Stunden vernehmen wir leises Plätschern. Hier und da tun sich kleine Pfützen auf, die zu Bächen werden und sich entlang des Weges ziehen. An einer immergrünen Oase machen wir Halt und erfrischen uns am eiskalten Wasser. Ein Baum spendet den nötigen Schatten. An den Füßen kündigen sich schon die ersten Blasen an, da wir statt fester Wanderschuhe Sandalen vorgezogen haben. Wir verfluchen unsere Sorglosigkeit.

 

Ich drehe den Kopf zur Seite und bemerke, dass das Tal hier wesentlich schmaler ist als noch Stunden zuvor. Würden wir nicht so erschöpft sein, könnten wir diese Idylle sicher noch mehr genießen und würdigen. Aber das Gepäck ist schwer und dessen schmale Riemen graben immer tiefere Striemen in unsere Schultern. Nach hinreichender Erfrischung setzen wir die Wanderung fort. Ich erweise mich in dieser Phase als Einzelgänger und marschiere voran. Die Jungs sind mir zu langsam. Bald höre ich ihre Stimmen und Schritte nicht mehr. Kümmere mich aber auch nicht darum, da ich meinen Wanderrhythmus gefunden habe. Ich hänge meinen Gedanken nach und durchquere den Rest des Canyons bis zum Indianerdorf allein. Die Natur, der Duft der Pflanzen und Bäume und nicht zuletzt die lachende Sonne erfüllen mich mit einem wohligen Gefühl. Ich verschmelze mit meiner Umgebung und wünsche, diese Wanderung würde nie enden. Ich bin zwar geschafft, strotze aber dennoch vor Energie. Tosendes Rauschen reißt mich aus meinen Tagträumen. Hinter einem grünen Meer von Laubbäumen und Sträuchern erstreckt sich ein wilder Bach. Es ist grandios, wie sich die Umgebung in den letzten Stunden permanent verändert hat. Von einer kargen nahezu vegetationslosen Landschaft hin zu einer üppig grünen Oase. Ich folge der Strömung und gelange zu einer Brücke mit dem Hinweisschild „1 Mile to Supai“, dem Indianerdorf. Was wird mich dort erwarten? Leben dort Indianer, die die Traditionen ihrer Vorfahren versuchen am Leben zu erhalten, an diesem abgeschiedenen Ort?

 

Die Meile vergeht schneller als erwartet. Schon beginnen erste Farmen mit Pferden und kleinen Holzhütten. Indianer kreuzen meinen Weg. Sie starren mich an ohne eine Miene zu verziehen oder grinsen als müssten sie sich ein anerkennendes Pfeifen verkneifen. Wegweiser führen mich direkt zu einem Haus mit der Aufschrift „Tourist Office“, bei der wir uns für die Übernachtung auf dem Zeltplatz anmelden müssen. Hier warte ich auf Tom und Felix.

 

Rotbraune Felsen umgeben das am Havasu Creek liegende Dorf. Vereinzelt schießen Monolithen in den Himmel. Die Felsen sind hier nicht mehr so abgerundet und künstlerisch geformt wie noch Stunden zuvor. Im Gegenteil, sie wirken schroff und widerspenstig. Manche erinnern an wahllos aufeinander gestapelte Findlinge. Am Fuße der Felsen erstrecken sich grüne Wiesen, auf denen Pferde weiden. Die kraftvollen, aber eleganten Vierbeiner stupsen sich gegenseitig mit dem Kopf an, während sie mit ihrem Schwanz lästige Fliegen vertreiben. Ein weiteres Bild des Dorfes zeichnen kleine Hütten, vor denen Indianerkinder mit streunenden Hunden spielen. Es gibt eine Schule und eine Kirche. Wer im Dorf Indianerzelte erwartet hat, wird enttäuscht. Auch an diesem Fleck der Erde ist die Zivilisation wie wir sie kennen nicht spurlos vorbeigegangen. Auf dem Dach eines Hauses erhebt sich eine riesige grauweiße Satellitenschüssel, die optisch so gar nicht an diesen Ort passen will.

 

Mit ihrer bronzenen Haut und den in der Sonne glänzenden langen, schwarzen Haaren, sehen die Menschen, denen ich begegne, wie jene Indianer aus, die mir aus den Westernfilmen meiner Kindheit vertraut sind. Was mag in ihnen vorgehen? Sind sie hier glücklich? Führen sie in dieser Abgeschiedenheit ein zufriedeneres und erfüllteres Leben als wir in der mit Bequemlichkeit, Überfluss und Hektik bestückten Großstadt? Diese Gedanken strömen auf mich ein, ohne dass ich sie in den Gesichtern der Indianer sehe. Die idyllische Landschaft umfasst mein Herz mit kräftigem Handgriff. Lässt es nicht mehr los. Ich stelle die Welt in Frage, in der ich aufgewachsen bin. Könnte mir ein Leben in dieser Abgeschiedenheit auf Dauer gefallen? Oder genieße ich es nur, weil es neu und ungewohnt ist? Begehren wir nicht stets das mehr, was wir nicht haben? Was denken wohl die Indianer, wenn sie mich sehen? Stellen sie ihr Leben ebenso in Frage?

 

Nach einer guten halben Stunde entdecke ich bekannte Gesichter. Tom und Felix kommen um die Ecke. Beide sehen angeschlagen aus. Ich bin froh, dass auch an ihnen die Wanderung nicht spurlos vorübergeht. Tom klärt die Formalitäten für den Campingaufenthalt. Er hat vor Tagen bei der Tourist Office angerufen, um die dringend erforderliche Reservierung vorzunehmen. Felix und ich bekommen derweil Gesellschaft von streunenden Hunden, die sich genüsslich Streicheleinheiten abholen und vermutlich auch etwas Essbares ergattern wollen.

 

Nun liegen noch zwei Kilometer Fußmarsch bis zum Campingplatz vor uns. Bei diesem Gedanken, wollen meine müden Beine am liebsten einknicken. Ich bin geschafft. Weitere zwei Kilometer? Würde in diesem Moment ein Maultier vorbeikommen, ich schwöre, wir würden alle drei ohne zu zögern aufsitzen und ihm die Sporen bis zum Zeltplatz geben. Da sich kein Muli erbarmt, setzen wir wieder einen Fuß vor den anderen. Es geht zur Abwechslung leicht bergab, nachdem der Pfad die letzten Stunden größtenteils eben war.

 

Wir vernehmen ein Rauschen, das mit jedem Schritt lauter wird. Neben dem Pfad, die Klippe hinunter, erhaschen wir einen Blick auf den ersten von drei großen Wasserfällen dieser Region, den Navajo Fall. Er bildet den ersten beeindruckenden Beweis dafür, warum die Menschen hier Havasupai heißen, das „Volk am blaugrünen Wasser“. Nach weiteren Minuten stürzt unweit des Weges der Havasu Fall 30 Meter in die Tiefe. Der Blick ist überwältigend. Seitlich führt ein zweiter schmaler Pfad den Hügel hinunter direkt zu einem türkisfarbenen natürlichen Pool, in den sich der Wasserfall entlädt. Wenige Zentimeter über der Wasseroberfläche bildet sich eine herrliche Gischt, die uns wie leichter Nieselregen eine Erfrischung verschafft. Hinter dem Wasserfall und an den Seiten ist die ansonsten erdbraune Felswand mit grünen Pflanzen und Moosen bedeckt. Gesteinsbrocken hängen wie riesige Wassertropfen an der Wand herunter und verleihen ihr ein kunstvolles Muster.

Weiter ins Tal hinein erreichen wir nach insgesamt sechsstündiger Wanderung den Zeltplatz. Er liegt einsam und fast verlassen mitten in einer schmalen Schlucht. An den Seiten erheben sich steile, rotbraune Felsen in den Himmel. Sie umschließen die grünen Wiesen und üppigen Laubbäume wie Riesen.

 

Auf dem Campingplatz sind wir nahezu allein. Beiderseits des glasklaren Flusses gibt es viele Möglichkeiten, unser Zelt aufzustellen. Damit haben wir zwar eine große Auswahl, aber auch die Qual der Wahl. Wir entscheiden uns für die andere Flussseite. Allerdings ist das mit einem Problem behaftet. Als Brücke dient ein umgefallener Baumstamm, über den wir das Gepäck und uns balancieren müssen. Die Herausforderung ist groß, zumal wir schon auf ebener Erde nicht mehr gut zu Fuß sind. Wackelig und unbeholfen tippeln wir über den Baumstamm. Wir erreichen das gegenüberliegende Ufer mit hundert Schweißperlen mehr auf der Stirn. Aber was tut man nicht alles für ein wenig Zeit im Paradies?

 

Es stellt sich heraus, dass wir die einzigen Camper auf der andere Flussseite sind. Wir freuen uns darüber, lassen das Gepäck fallen und ruhen uns erstmal im weichen Rasen aus. Wir streifen die Sandalen ab und strecken die müden Beine aus. Die Blasen an unseren Füßen lassen nichts Gutes erahnen. Vollkommen fertig, aber überglücklich strahlen wir mit der Sonne um die Wette. Es ist hier schöner als wir es uns in unseren Träumen ausgemalt hatten. Selbst die blumigen Beschreibungen unserer amerikanischen Freunde spiegeln nicht einmal annähernd diese atemberaubende Realität wider. Überwältigt hängt jeder seinen Gedanken nach. Sind wir der Natur jemals so nahe gewesen?

Vor Einbruch der Dunkelheit spazieren wir noch einmal zurück zum Havasu Fall. Die Blasen an unseren Füßen schreien furchtbar bei den ersten Schritten auf. Wir beißen die Zähne zusammen. Der Gang über den Baumstamm ist wieder Folter, aber auf ebener Erde wird es zunehmend besser. Ab einem gewissen Punkt nehmen wir den Schmerz einfach nicht mehr wahr. Noch eine kurze Steigung und wir haben die Spitze des Havasu Falls erreicht. Die Verlockung ist groß, sich mit den Wassermassen hinab zu stürzen, obwohl es ganze 30 Meter in die Tiefe geht. Wohl nicht umsonst steht unweit von der Klippe ein Hinweisschild, dass das Herunterspringen an dieser Stelle strafrechtlich verfolgt und mit 500 US Dollar geahndet wird.

 

Über den schmalen Pfad an der Seite erreichen wir den leuchtend türkisfarbenen Pool, dem wir schon bei unserer Ankunft einen kurzen Besuch abgestattet hatten. Die ganze Wucht des Havasu Falls bekommen wir erst hier richtig zu spüren. Ein kontinuierlich tosender Lärm durchbricht die Stille der Abgeschiedenheit. Die Wassermassen rasen die Felswand herunter und wirbeln eine schneeweiße Gischt auf, die sich wie Tau auf die umliegende Vegetation legt. Wir ziehen unsere verschwitzte Kleidung aus und stürzen uns quiekend in das eisige Nass. Die Umgebung ist wie eine Droge, deren ekstatischer Wirkung wir uns hingeben. Wir schwimmen seitlich hinter den Wasserfall und befinden uns plötzlich in einem hohlen Klangkörper. Hier hören wir nur noch ein eintöniges, aber beruhigendes Rauschen. Als wir unter dem Wasserfall hindurch zum Pool zurücktauchen, spüren wir deutlich die Kraft der Wassermassen. Für wenige Sekunden verpassen sie uns eine prickelnde Rückenmassage.

 

Mit wachsamen Augen inspizieren wir unsere Umgebung. Die rotbraunen Felswände, der blaugrüne Wasserfall, das Grün der Bäume und Büsche ergänzen sich malerisch. Wir waten durch flaches Wasser an den Stellen, an denen der See Terrassen bildet. Die glänzend polierte Oberfläche läuft über die Kante von der einen auf die andere Stufe hinab. An diesen Stellen ist das Wasser milchig weiß. Erst wenn es die nächste, tieferliegende Stufe erreicht hat, nimmt es wieder diese betörend türkise Farbe an. Wir nähern uns der Kante und spüren wie die Strömung zunimmt. Das Wasser umspielt unsere Füße. Es fühlt sich fast wie ein zärtliches Kitzeln an.

 

Neben dem Wasserfall fällt uns ein Flackern ins Auge. Es kommt aus einer kleinen Höhle, der wir uns neugierig nähern. Das Geheimnis hinter dem Flackern ist schnell gelüftet. Jemand hat drei Teelichter angezündet. Was für eine hübsche Idee, an diesem fernen, unberührten Ort. Mit Betreten der Höhle tauchen wir in eine vollkommen andere Welt ein. Den Kopf geduckt, gehen wir immer tiefer hinein, bis wir aufgrund der Dunkelheit nichts mehr erkennen können. Die Wände sind uneben und rau. Spinnen, Käfer und Schnaken schauen uns mit großen Augen an oder ziehen ihrer Wege. Die Luft ist feucht und muffig. Wir sind wie berauscht von alldem, was wir hier sehen und erleben. Wenn es ein Paradies auf Erden geben sollte, dann stehen wir mittendrin.

 

Der Tag verabschiedet sich langsam. Die untergehende Sonne malt den Himmel erst goldgelb und dann feuerrot. Mit der fortschreitenden Dämmerung zünden wir vor unserem Zelt mehrere Lichter an. Das Zirpen der Insekten und das Singen der Vögel verstummt allmählich. Einzig eine Grille scheint extra für uns ein Konzert zu geben. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt und genießen in vollen Zügen den Aufenthalt fernab der Zivilisation wie wir sie kennen. Gerne verzichten wir auf die Bequemlichkeiten der Stadt.

 

In der ländlichen Gegend des Zeltplatzes gibt es weder Wasseranschluss noch Stromzugang, kein Waschbecken, keine Dusche, keine Kochmöglichkeiten. Lediglich eine Art Dixiklo im üppig grünen Buschwerk. Es ist herrlich. Gäbe es das Dixiklo nicht, würde ich gar nicht auf die Idee kommen, dass es sich um einen öffentlichen Zeltplatz handelt. Wir kommen uns vor wie Abenteurer, die irgendwo in der freien Wildnis übernachten.

 

Als die Dunkelheit sich wie ein schwarzer Mantel über die Schlucht legt, gehen wir für eine Katzenwäsche zum Fluss. Toms Taschenlampe weist uns den Weg über den unbeleuchteten Campingplatz. Ausgelassen wie Kinder albern wir beim Zähneputzen herum, und so entgleitet uns zum ersten Mal die einzige Taschenlampe, die wir auf den Ausflug in den Grand Canyon mitgenommen haben. Zugegeben, wir haben uns im Vorfeld der Reise nicht sonderlich Gedanken darüber gemacht, was wir alles mitnehmen sollten. Aber ich denke, dass gerade das dazu beigetragen hat, dass wir alles hier so genießen können. Wir müssen oft improvisieren und kreativ sein. In den letzten Minuten unserer Waschorgie zerfällt die Taschenlampe in ihre Einzelteile. Gerade noch können wir verhindern, dass der Fluss sie verschlingt.

 

Schließlich verlangt die Natur ihren Tribut. Wir machen uns auf den Weg zum Dixiklo am Eingang des Zeltplatzes. Eingedeckt mit einer Rolle Toilettenpapier gehen wir zu unserer Baumstammbrücke. Mehr oder weniger souverän erreichen Tom und Felix zuerst die andere Seite des Ufers, während ich wie ein unbeholfenes Baby auf allen Vieren über den Baumstamm krabbele. Ich muss derart lachen, dass ich sogar in dieser Position kaum das Gleichgewicht halten kann. Auf der anderen Uferseite tapsen wir uns vorsichtig durchs Dunkel weiter voran. Die altersschwache Taschenlampe scheint den vorherigen Sturz nicht verkraftet zu haben. Ihr Lichtstrahl ist mehr als dürftig. Als wir schon denken, uns vollständig verlaufen zu haben, sehen wir die erlösenden Toilettenhäuschen. Licht gibt es selbstverständlich auch hier nicht. Wir schwärmen aus und erleichtern unsere Körper.

 

Als wir alle wieder beisammen sind, sieht Felix uns mit schuldbewusstem Grinsen an. Kleinlaut gesteht er, dass er gerade die einzige Toilettenpapierrolle verloren hat, die wir auf den Ausflug mitgenommen haben. Der Schlund des Dixiklos hat sie zu sich genommen. „Du Idiot“, stöhnt Tom. Er gibt Felix eine Kopfnuss und fährt fort, „Was sollen wir denn die nächsten vier Tage ohne Klopapier machen?“ Die Antwort darauf gibt die Natur, die uns Laubblätter in Hülle und Fülle bietet.

 

Auf dem Weg zurück zum Zelt wartet am Fluss wieder unser Baumstamm. Ich runzele die Stirn als ich ihn sehe. Selbst mit der Taschenlampe in der Hand erkenne ich den Baumstamm nur schemenhaft. „Könnte mir bitte nochmal jemand sagen, warum wir unser Zelt da drüben aufgebaut haben?“ grummele ich. Diese ständige Kletterei nervt, zumal wenn es stockduster ist. Aber Einsamkeit und Abgeschiedenheit haben ihren Preis. Einen Preis, den wir gerne bezahlen. Bei meiner Krabbelei über den Baumstamm zerfällt die Taschenlampe erneut in ihre Einzelteile, nur diesmal ist nichts zu retten. Der Fluss verschlingt in Sekundenschnelle unsere einzige Lichtquelle und lässt mich verdutzt zurück. Felix und Tom schlagen derweil neue Wege ein und gehen zum anderen Ufer direkt durchs Wasser. Was ist denn nun los? Meuterei im Paradies?

 

Unsere Augen gewöhnen sich langsam an die Dunkelheit. Nach und nach erkennen wir immer mehr Umrisse der sich in den Himmel reckenden Baumkronen und der hohen Felswände. Mond und Sterne leuchten uns den Weg zurück zum Zelt. Wir legen uns ins weiche Gras und starren zum Firmament. Ist das ein Lichtermeer. Dicht an dicht funkelt es am nachtblauen Himmel. Wir verlieren uns in diesem Anblick. Ich habe das Gefühl zu schweben, obwohl ich fest auf dem Boden liege. Ich blende alles um mich herum aus und träume vor mich hin. Während ich gedankenverloren sogar die Jungs für einen Augenblick vergesse, zieht es sich zu. Im Nu beginnt ein Unwetter mit starkem Regen und kräftigem Gewitter. Wir verkriechen uns im Zelt und beobachten mit neugierigen Augen wie die Natur wieder und wieder für Sekunden durch grelle Blitze erhellt wird. In diesen Momenten ist das nachtschlafende Tal taghell erleuchtet. Wir sind Zeugen eines unglaublichen Schauspiels. Es ist, als säßen wir in der ersten Reihe im Theater, nur das die Bühne die reale Welt zeigt.

 

Ich muss jedes Mal lächeln, wenn ich an diesen Moment zurückdenke. Ein langer und unvergesslicher Tag im Grand Canyon ging auf eindrucksvolle Weise zu Ende. Ein Tag, an den ich mich auch nach all den Jahren erinnere als wäre er gestern gewesen.

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